Brixton Hill

Brixton Hill heißt ein Straßenabschnitt von nur ungefähr einem Kilometer Länge zwischen Brixton und Streatham Hill im Süden von London. Es ist nicht gerade die schönste Gegend in London. Vor kurzem soll dort das letzte Apartment (mehr als ziemlich heruntergekommen, nicht nur die Sanitärausstattung mit dem Charme der 30er Jahre) in London, die weniger als 100.000 £ kostete, verkauft worden sein. Und doch werden sich nun mehr Touristen als sonst hier umsehen. Vielleicht werden sie, wie Em, mit der U-Bahn die Innenstadt und die feineren Gegenden hinter sich lassen und an der Endstation Brixton wieder ans Tageslicht steigen.

Em – das ist die Hauptperson im neuen Roman (Thriller!) von Zoë Beck, Brixton Hill der Titel.

Wir finden Dich. Erwarte uns. London, in einem der Luxushochhäuser von Canary Wharf: Erst fällt die Klimaanlage aus, dann der Strom. Sämtliche Ausgänge sind verriegelt, und Rauch strömt aus den Belüftungsschächten. Em muss hilfslos zusehen, wie ihre Freundin im 15. Stock ein Fenster zertrümmert und panisch hinausspringt. Kurz darauf wird Em verhaftet. Sie soll sich in die Gebäudetechnik eingehackt und die Katastrophe ausgelöst haben. Ein falsches Spiel um Macht und düstere Geheimnisse beginnt. Ebenso die Jagd auf Em – im Netz und in der Realität …

Soweit der Klappentext. Em heißt eigentlich Emma Vine. Sie ist eine erfolgreiche Eventmanagerin, stammt aus einer wohlhabenden Familie und wohnt zusammen mit ihrem Zwillingsbruder in einer todschicken Wohnung im einundzwanzigsten Stock eines Luxus Towers auf der Isle of Dogs. Schnell wird klar, dass Em ein recht eigensinniger, risikofreudiger Mensch ist, der sich nicht gerne auf andere einlässt. Ein explosives Temperament tut sein übriges und so verwundert es nicht, dass sie außer ihrem Bruder kaum Kontakte hat, keine Freunde. Und doch gelingt es der Autorin, den Leser für ihre Hauptperson einzunehmen.

Em steht nicht nur unter Verdacht, sie verliert auch noch die wenigen Sachen, die ihr überhaupt wichtig sind. Es stirbt eine weitere Person und Em macht sich auf, den wahren Täter zu finden. In der Realität und im Netz. Stalking spielt eine Rolle, Hacker, falsche Verdächtigungen, Hass, Twitter, das Internet und die Gentrifizierung. Gentrifizierung ist die Umstrukturierung von städtischen Wohngebieten. Wobei damit gemeint ist, dass in angestammten, meist armen Vierteln neue Häuser und Wohnungen gebaut werden. Die Bevölkerungsstruktur ändert sich, „IN“-Viertel entstehen. Dahinter verstecken sich natürlich auch wirtschaftliche Interessen. Die Gentrifizierung in London ist auch Thema in den „Infokapiteln“ die die Autorin in die eigentliche Handlung eingefügt hat, genauso wie Stalking und Hacker. Auch wenn diesen Abschnitten die „Action“ fehlt, sind sie doch interessant und gut zu lesen.

Es ist aber vor allem auch ein Roman über den Umgang mit Twitter, Facebook und Co. Em denkt über die neuen Medien nach, sie ist versiert im Umgang. Sie postet über ihre Veranstaltungen und über ihren vermeintlichen Alltag. Den sie für das Internet gestaltet, ihr echtes Privatleben aber gar nicht preisgibt. Ist das ein Fingerzeig der Autorin, die ja ebenfalls in Facebook und Co aktiv und versiert ist?
Em jedenfalls nutzt das Internet, um mit ihren Verfolgern zu kommunizieren. Und ihnen auf die Spur zu kommen? Lest selbst!

Zoë Beck: Brixton Hill
Erschienen bei Heyne, 2013, als Taschenbuch zum Preis von 8,99 €
ISBN 978-3-453-41042-8

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